born Nürnberg, 31. May 1901
died Nürnberg, 28. Feb 1965
Nach einer Maurerlehre besuchte er die Kunstgewerbeschule und die Bauschule in Nürnberg, anschließend war er Meisterschüler bei Ludwig Ruff an der AdBK Nürnberg. 1929 trat er in den Dienst der Stadt Nürnberg, wo er zunächst am Bau der Frauenklinik an der Flurstraße mitwirkte. 1931 wurde er wegen der Wirtschaftskrise entlassen und war seitdem als freischaffender Architekt tätig. Seine Werke aus dieser Zeit, dem traditionellen Bauen verbunden, sind nur z.T. überliefert. U.a. gehörten dazu die Tankanlage mit Wohnhaus an der Reichsautobahn bei Schönbrunn und ein Getreidesilo bei Eger. Nach dem Krieg reiste er viel und nahm dabei Anregungen aus den architektonischen Entwicklungen der Schweiz, Englands und später Schwedens und Finnlands auf. In Nürnberg baute er die ersten Wohnungen mit Fernheizung und propagierte den Häuserbau in Zeilenform, der die Anlage von mehr Grünflächen ermöglichte. In den Jahren 1950-65 plante das Büro Reichel über 3500 Wohnungen. Anfang der 1950er Jahre wurde Reichel vom Nürnberger Stadtrat mit der Rahmenplanung für den Wiederaufbau verschiedener Bereiche der zerstörten Nürnberger Innenstadt beauftragt. 1951 gewann er mit Hermann Thiele den bundesweiten Wettbewerb für die aus Marshallplangeldern finanzierte ECA-Siedlung in Nürnberg-Langwasser. 1956 war er zusammen mit Hermann Scherzer und Hermann Thiele Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs zum Gesamtbebauungsplan der Trabantenstadt Langwasser. Daneben lieferte er Arbeiten zu Stadterweiterungen von Coburg und Kulmbach und beschäftigte sich mit der Planung von Einfamilienhäusern, Hotels, Kinos, Verwaltungsgebäuden und Bauten der Versorgung, wie dem Wasserwerk „Mühlhof“ und der Gestaltung der Anlagen des Happurger Stausees. 1952 wohnte er in der Krelingstraße 21. 1953 ehrenamtlicher Vorsitzender des Baukunstbeirates. 1955 Kulturpreis der Stadt Nürnberg. Mitglied im BDA. Der Franz-Reichel-Ring in Nürnberg-Langwasser wurde nach ihm benannt.
Werke: NÜRNBERG: Verwaltungsgebäude des Siedlungswerks Nürnberg 1935; –, Ostendstraße 122: Luftschutzschule „Hermann Göring“, 1935/36 (zusammen mit Regierungsbaumeister Weigel); –, Eigenheime in der Siedlung Buchenbühl; –, Oscar-von-Miller-Straße: Gesamtplanung der Mustersiedlung anläßlich der Deutschen Bauausstellung, 1949 (zusammen mit Friedrich Seegy); –, Königstraße/Pfannenschmiedsgasse: Fassadengestaltung Kaufhof, 1951; –, Dr.-Linnert-Ring: ECA-Siedlung in Langwasser, 1951/52; –, Bebauungsplan der Baugebiete A, B, C, H, L in Langwasser, sowie deren Bebauung, ab 1956; –: Paul-Gerhardt-Kirche, 1960/61; –: Wohnanlagen in der Charlottenstraße, an der Hohen Marter und am Nordostbahnhof; –, Bahnhofsplatz: Umgestaltung und Modernisierung des Grand-Hotels; –, Königstraße/ Hallplatz: Ausbau des Mautkellers.
Lit.: Der Architekt Franz Reichel, in: Geschichte für Alle e.V. (Hrsg.): Nürnberg-Langwasser, Nürnberg 1995, S. 146f; Stadtlexikon 2000; Architektur Nürnberg, 2002.
Ausst.: 1941/14; 1959/28; 1995/3.
(zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred H. Grieb)